Auftakt mit Gerhard Henschel

Mit der Vorgeschichte zu dieser Lesung habe ich mir selbst ins Knie geschossen. Mitten in der heißen Schreibphase unserer Willi Lemke-Biografie „Herr Lemke übernehmen Sie“ fragte mich mein Co-Autor Helmut Hafner nach einem Lesetipp. Nicht ahnend, was ich mir damit einbrockte, legte ich ihm den Frauenroman von Gerhard Henschel ans Herz.

Henschels demnächst zwölfbändige Martin Schlosser-Reihe verfolge ich seit dem 2004 erschienenen „Kinheitsroman“ und kann mit einigem Stolz sagen, dass ich die Basis dieses fulminanten Projektes – des Autors mehrere Tonnen schweres Archiv – bei seinem Umzug aus Hamburg in die Lüneburger Heide zwei Treppen runter in den gemieteten Transporter geschleppt habe (bei dessen Abholung am Abend vorher hatte Henschel sich versehentlich auf dem Betriebshof des Vermieters eingeschlossen – ich weiß leider nicht mehr, wie er sich befreien konnte). Was ich noch gut erinnere, ist seine Antwort auf meine Frage, wo denn die anderen Umzugshelfer bleiben würden: „Die haben abgesagt“.

Das tat unserem guten Verhältnis keinen Abbruch. Später hat Gerd hin und wieder bei mir in Hamburg übernachtet, wenn er im Staatsarchiv recherchiert hat oder wir sind zusammen nach Bremen gefahren, wo er seinen mit Rayk Wieland im Hamburger Thalia Theater veranstalteten Toten Salon für einige Ausgaben auch in den Bremer Schlachthof brachte. Daran hat wohl auch Gerd gute Erinnerungen und einige unserer Begegnungen in Hamburg im Frauenroman verewigt.

Als nun Helmut dieses Werk in die Hand bekam, war er für alle anderen Tätigkeiten als dessen Lektüre erstmal verloren – auch für unser Buchprojekt. Jedes mal, wenn ich mich zaghaft nach dem Fortschritt seiner Textproduktion erkundigte, fing er erstmal an zu lachen und erzählte mir von seinem jüngsten Perlen-Fund im Oeuvre seines neuen Lieblingsautors. So ähnlich geht es seitdem vielen von Helmuts zahlreichen Freunden, wenn sie ihn anrufen. Ich hoffe natürlich, dass sich möglichst viele von ihnen zu einem Besuch der Lesung von ihm überreden lassen. Aber im Grunde habe ich Gerd nur für Helmut eingeladen – als Dank für unsere Freundschaft und dafür, dass unser eigenes Buch dann ja doch noch fertig geworden ist.

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