| In meinem Heimatdorf gibt es rührige, kluge Menschen, die dort gemeinsam mit dem Nachbarort seit über 25 Jahren eine kleine Zeitung am Leben halten, die pünktlich einmal im Monat kostenlos erscheint. Benannt ist sie nach den fünf großen Fragen des Journalismus: Was? Wann? Wo? Wer? Wie? in Schnarup-Thumby und Struxdorf. In Nr. 273 vom Dezember 2021 findet sich eine entzückende Hommage an Tante Henny. Geschrieben hat sie die Dorfbewohnerin Gerda Zielke, die nicht nur die Dorfzeitung mit Beiträgen bestückt, sondern auch den Seniorenklub organisiert – und der ich herzlich für diesen Text danke. Wer kannte Tante Henny zu ihren Lebzeiten nicht? Fresenburg, die kleine Gaststätte in Fresenburg, gehörte den Lorenzens. Durch den Zusammenschluss von Schnarup-Thumby verschwand Fresenburg wie auch andere kleine Ortsnamen. Der Ehemann Peter war um 1970 verstorben, und Tante Henny war schon immer ein begehrter Anlaufpunkt. Gerne kehrten hier junge Menschen ein und hatten immer Spaß. Tante Henny hatte Sinn für Humor. Nach dem Zweiten Weltkrieg, so erzählte man mir, fand an jedem Sonntag ein Tanzvergnügen in dem kleinen Saal statt. So manches Paar hat sich hier für‘s Leben gefunden. Die jüngste Tochter Erika hatte das gleiche Alter wie ich. Ich holte sie jeden Morgen zur Schule ab. Wenn Erika ihre Schularbeiten nicht ganz erledigt hatte, durfte sie bei mir abschreiben. Tante Henny hatte dann einen Becher Kakao für mich. Ich erinnere noch, wie mir der geschmeckt hat. Zuhause gab es nur aufgekochte Milch, und die war für mich ein Graus, besonders die eklige Haut darauf. Wir hatten zusammen eine gute Schulzeit! Meine längsten Erinnerungen an Tante Henny sind unsere Chorproben vom Frauensingkreis. Per Fahrrad, zu Fuß und später mit dem Auto fanden wir uns am Dienstagabend bei Tante Henny ein. Das war ein fröhliches Ankommen. Hier trafen sich Jung und Alt, um einen Singabend zu verbringen. Die Gründung fand im Januar 1962 statt. Viele freuten sich auf diesen Abend bei Tante Henny. Sie hatte oft für uns eine Suppe gekocht, die uns in der Pause köstlich schmeckte. Sie überbot sich mit ihren Variationen – alle schmeckten wunderbar. In der Ecke des Raumes stand ein großer Kachelofen. Wenn es kühl war, heizte sie ihn an. In Nähe des Ofens wurden wir „gebraten“ – dagegen waren in der gegenüber liegenden Ecke kalte Füße angesagt. Aber es war immer gemütlich. Wir hatten gemeinsam viel Freude. In der Adventszeit gab es immer einen Julklapp. Im Flur stand eine Wanne. Sie wurde von mitgebrachten Päckchen gefüllt. In der Pause gab es dann Kaffee und Weihnachtsplätzchen. Danach freuten wir uns auf unser Päckchen. Mit unseren neuen Nachbarn machten wir seinerzeit eine Runde um Schnarup-Thumby. Wir wollten alles, was zur Gemeinde gehörte, zeigen. Danach war ein Besuch bei Tante Henny dran. Wir stellten uns vor und wollten den Abend beschließen und vor allem unsere Tante Henny kennenlernen. Tante Henny kam mit der Flasche und wir tranken auf gute Nachbarschaft. Nach zwei Schnäpsen wäre es genug, so meinten wir. Doch sie ließ nicht locker und es wurde ein ganz lustiger Abend mit viel Lachen. Tante Henny bleibt vielen in Erinnerung. Sie war ein Original. Alle mochten sie. Etwas muss ich unbedingt noch nachtragen, Tante Henny kassierte nie das Geld ein. Die geöffnete Kasse stand auf dem Tisch, und jeder legte sein Geld hinein. Auch musste mal gewechselt werden. Alles geschah auf Vertrauensbasis. Ich bin überzeugt, dass auch Trinkgeld hineingelegt wurde! Das Foto zeigt Tante Henny (l.) zusammen mit Christine „Tiede“ Jeß. Gerda Zielke |
