Tante Henny war meine Oma

Auf der Suche nach einem Titel für die Veranstaltungsreihe, mit der ich künftig vor allem das Theater im Volkshaus bespielen möchte, kam mir sofort meine Oma Henny in den Sinn. Über ihrer Gaststätte „Fresenburg“ in Schnarup-Thumby – zwischen der Schlei und der Flensburger Förde gelegen – habe ich mit meinen Eltern und meiner Schwester die ersten sieben Jahre meines Lebens gewohnt. Dort, in der gemütlichen Gaststube und dem alten Tanzsaal mit seiner kleinen Theaterbühne ist ohne Zweifel meine Leidenschaft dafür entstanden, Gesprochenes, Gespieltes oder Gesungenes auf die Bühne zu bringen. Aus den Gesprächen mit Omas Kundschaft, zu der eher die Knechte und Mägde als die Bauern und Bauersfrauen zählten, habe ich mir die Sehnsucht abgelauscht, Menschen zusammenzubringen und mir ihre Geschichten erzählen zu lassen. Letzteres hat mich zu meinem Hauptberuf als Autor und Journalist gebracht, ersteres zu meiner Arbeit im Kulturzentrum Schlachthof und dem einem oder anderen eigenen Theater-Projekt. Immer, wenn ich einen Konzert- oder Theatersaal betrete, fange ich automatisch an zu überlegen, was sich hier wohl aufführen ließe.

Das ging mir auch so, als ich vor ein paar Jahren auf einer Geburtstagsparty von Freunden das Theater im Volkshaus kennenlernte. Erst habe ich dort meinen nächsten Runden gefeiert und wurde mit Live-Musik und Live-Theater reich beschenkt, dann hat mich die dort ansässige Theatergruppe „Brotlose Kunst“ als neuen Mitspieler aufgenommen. Mit Theater-Leiter Alexander Hauer, der gleichzeitig unser Regisseur bei den Brotlosen ist, habe ich dann schließlich die Idee für diese Reihe entwickelt. Über die erzähle ich dann das nächste Mal mehr. Ach ja, warum nenne ich meine Oma hier „Tante Henny“? Weil sie unter dem Namen weit und breit „ein Begriff“ war, wie man bei uns da oben sagt.

Auf dem Foto unten seht Ihr die „Fresenburg“. Die Gaststube lag links neben der Eingangstür, der Saal in dem Quergebäude. Hinter der Satellitenschüssel, die es damals natürlich noch nicht gab, lag unsere kleine Küche, die gleichzeitig Wohn- und Arbeitszimmer war.

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